Eistauchen

Eistauchen - Extreme und Eiskalte Tauchart !!!

Allein der Gedanke ans Eistauchen lässt so manchen das Blut in den Adern gefrieren. Nicht ohne Grund, denn das Tauchen unter dem Eis findet unter harten Bedingungen statt:

Es ist eisig kalt, den Weg zur Oberfläche ist verwehrt durch eine dicke Eisschicht, eine gläserne und undurchdringliche Wand. Man kann nicht so einfach auftauchen.

Aber: Erfahrene und umsichtige Taucher, die es dennoch wagen, werden mit eiskalter Schönheit belohnt. Ein Tauchgang unterm Eis gehört zu den ganz besonderen Erfahrungen im Leben eines Tauchers. Fällt Sonnenlicht durch eine klare Eisdecke, so ergibt sich ein einfach unbeschreiblich schönes Licht. Die ausgeatmeten Luftblasen bleiben unter dem Eis gefangen. Sie sehen aus wie flüssiges Metall und ändern ständig ihre Form - ein wirklich traumhaftes Schauspiel. Alles ist noch stiller als sonst. Menschen zieht es immer genau dahin, wo sie Geheimnisvolles und Unerwartetes vermuten. Was bietet sich da mehr an als ein  Gewässer, dessen Oberfläche von einer Eisdecke verschlossen ist.

   

Da beim Eistauchen der Sicherheitsaspekt höchste Priorität hat, gibt es unter anderem auch immer ein Sicherungsteam, das startklar am Eisloch wartet. Sollte die gerade tauchende Gruppe Probleme haben, gibt sie entsprechende Leinensignale und die komplett einsatzbereiten Sicherungstaucher machen sich auf den Weg zur hilfesuchenden Gruppe.

Die Vorbereitungen

Herausschlagen oder -sägen eines dreieckigen Einstiegsloches mit 2 m kantenlänge. Die herausgesägte Eisscholle wird unter die Eisdecke gedrückt und zur Seite geschoben. Dadurch ist das Einstiegsloch von unten besser sichtbar.

Das landseitige Ende der Signalleine ist an einem festen Punkt (Baum oder Eishaken) zu befestigen / zu verankern. Leinenführer und Sicherheitstaucher befinden sich während des gesamten Tauchgangs unmittelbar am Einstieg.

Es gelten die vereinbarten Leinenzugzeichen, diese werden unmittelbar vorm Tauchgang nochmals zwischen Taucher und Leinenführer wiederholt. Die Taucher sind untereinander mit einer Buddyleine verbunden,

der Gruppenführer der Tauchergruppe ist mit dem Leinenführer über die Signalleine verbunden.

Warme Getränke etc. bereitstellen. Zum Umkleiden eventuell beheiztes Zelt verwenden.

  • Das eine Ende der Signalleine wird mittels Pahlstek oder über eine andere geeignete Methode sicher und fest am Gruppenführer der Tauchgruppe befestigt. Das andere, landseitige Ende der Signalleine darf keinesfalls lose auf dem Eis liegen. Schnell wäre es so dem Signalmann aus der Hand gegelitten und damit die einzige Verbindung zu den Tauchern im Wasser unterbrochen. Es kann ein kleinen Anker verwendet werden. Der wird fest im Eis verhakt und die Signal- sowie alle weiteren Sicherungsleinen werden daran befestigt.

  • Die Signalleine sollte möglichst hell oder sogar signalfarben sein. Ist sie aus schwimmendem Material (z.B. Polypropylen), dann kann sie sich auch nicht am Grund verhaken.

  • Liegt Schnee auf dem Eis dann empfiehlt es sich, Rinnen in Schneeschieberbreite vom Eisloch weg freizuschaufeln. Es entstehen schneefreie Strahlen, die in alle Richtungen vom Eisloch ausgehen. An ihnen kann man sich orientieren, sie lassen Licht ins Wasser und ermöglichen es den Tauchern, auch mal auf das bunte Treiben oben auf dem Eis zu schauen.

  • Befestigt man ein Blitzlicht an einer Boje und wirft dies in das Eisloch, dann ist der Ausstieg für die Taucher schon von weitem zu erkennen. Gibt ein beruhigendes Gefühl.

  • Auf Isomatten o.ä. steht es sich doch deutlich wärmer und sicherer um das Eisloch herum. Zur Not tun es auch die Fußmatten aus dem PKW.

  • Einige Schaufeln Sand um das Eisloch verteilt, verringern die Rutschgefahr deutlich.

  • Unter dem Eisloch sollte es mindestens 4m tief sein. Dadurch wird verhindert, dass die Taucher beim Ein- und Ausstieg den Grund aufwirbeln und für die nachfolgenden Gruppen die Sichtweite vermiesen.

  • Kenntnisse in 1. Hilfe und die üblichen Info's über die Rettungskette vor Ort sind selbstverständlich.

  • Sollte doch mal jemand eingebrochen sein, dann ist es gut, wenn schon alles bereit liegt. Leinen, lange Äste, Bretter oder auch der umgedrehte Klapptisch sind im Fall der Fälle hilfreich.

  • Ein Becher Glühwein ist immer eine leckere Sache, aber selbstverständlich erst nach dem Tauchgang erlaubt!

  • Achte auch beim Eistauchen auf den Umweltschutz. Müll wird wie immer wieder mitgenommen und Schilfgürtel werden nicht betreten. Halte beim Tauchen besonderen Abstand zum Grund, um die Fische nicht in ihrer Winterruhe zu stören. Eine Motorsäge ist zum öffnen des Loches besser geeignet als eine Axt, da sie unter Wasser weniger laut zu hören ist.

  • Hat man die Möglichkeit, ein beheizbares Zelt aufzustellen, dann ist dies der Luxus beim Eistauchen.

     

Aber auch die neuen Perspektiven, welche den meisten Menschen wohl ihr Leben lang verborgen bleiben, machen den Reiz des Eistauchens aus. Nur die wenigsten werden wohl einmal einen Schlittschuhläufer von unten beobachten können. Beim Tauchen unter der geschlossenen Eisdecke stellen sich die gleichen Probleme wie beim Höhlentauchen. Das direkte Auftauchen an die Rettende Oberfläche bei Problemen bleibt einem verwehrt. Aus diesem Grund müssen bestimmte Sicherheitsregeln beachtet werden.

- Lampen mitführen, Schnee auf dem Eis ⇒ dunkel unter Waseer  (mindestens eine Ersatzlampe pro Taucher).
- großen Luftvorrat einplanen
- Doppelventil mit zwei unabhängigen Lungenautomaten (Vereisungssicher)
- es müssen geeignete Leinenverbindungen zwischen den Tauchern und dem Leinenführer und auch unter den Tauchern verwendet werden (hohe Reißfestigkeit, schwimmend)

Gut macht es sich immer, wenn beide Tauchpartner neben einer Lampe (unter schneebedecktem Eis ist es nicht sehr hell) auch über ein Blitzlicht verfügen. So sehen sie sich bei schlechten Bedingungen gegenseitig besser und sind evtl. auch von oben durch das Eis zu erkennen.

Zur Tragfähigkeit von Eisflächen sind verschiedene und voneinander abweichende Angaben vorhanden . Je nach Landkreis und Bundesland erfolgt eine offizielle Freigabe ab einer Eisdicke von 15 cm oder mehr. Dies ist auch die untere Grenze für Eistauchgänge. Ab 10 cm können zwar schon mehrere Personen gemeinsam auf das Eis, die Frage ist eben nur, wie viele genau "mehrere" sind und wie dicht sie beisammen stehen dürfen.

Erfahrungsgemäß versammeln sich auch diejenigen immer in lockerer Runde um das Eisloch, die schon im Wasser waren oder noch gehen werden. Also alle recht nah beieinander. Ausserdem ziehen Eistaucher auch immer massenhaft Zuschauer an und auch dieses Gewicht ist vorher mit einzuplanen. Achte bei der Auswahl einer geeigneten Stelle auf Wasserflecken oder Verfärbungen. Sie können Hinweise auf brüchige Stellen sein.

Schon bevor das Eisloch geöffnet wird, ist dieser Bereich mit Stangen und rot-weißem Absperrband abzusichern. Wir wollen doch nicht, dass ein traumtänzerischer Schlittschuhläufer unfreiwillig zum dritten Tauchpartner wird. Bevor man den Tauchplatz wieder verläßt sind alle Löcher im Eis mit Zweigen und Absperrband deutlich sichtbar als Gefahrenbereich zu kennzeichnen. Wenn die ausgesägten Eisplatten aus dem Loch herausgenommen wurden, dann schiebt man sie wieder zurück. So friert das Loch schneller wieder zu.

            

Wer schon vor dem Tauchgang friert, hat verloren. Geeignete Kleidung, warme (nichtalkoholische!) Getränke und Bewegung helfen hier. In jedem Fall sollte man einen Satz Wechselwäsche dabei haben. Beim öffnen des Eisloches hat man schnell mal Wasserkontakt.

Gerade beim Eistauchen ist es unbedingt erforderlich, in Doppelventil und damit zwei getrennt voneinander absperrbare Atemregler zu nutzen. D.h. zwei Ventile, zwei erste und zweite Stufen - selbstverständlich alle gut kaltwassertauglich. Friert der eine Regler ein, so kann vom Tauchpartner das entsprechende Ventil abgesperrt werden und man nutzt den anderen Regler.

Bei Lufttemperaturen unter dem Gefrierpunkt sollte man den ersten Atemzug erst unterhalb der Wasseroberfläche machen. Die Gefahr, dass der Atemregler einfriert ist sonst zu groß. Die Ausnahme ist hier natürlich der besonders gewissenhaft durchzuführende Sicherheitscheck.

Optimal ist weiterhin natürlich ein Trockenanzug. Aber auch mit einem gut sitzenden Halbtrockenanzug ist Eistauchen möglich, dann nur nicht so lange. Gegen kalte Füße helfen zusätzliche Neoprensocken im Füßling, 3-Finger Handschuhe sind wärmer als 5er und Eishauben tragen ihren Namen auch nicht umsonst. T-Shirts halten den aufgewärmten Wasserfilm besser am Körper und wenn man sich vor dem TG warmes Wasser in den Anzug gießt, dann bringt auch das einen kleinen Vorteil.

Für einen Eistauchgang braucht man einen absolut verlässlichen Tauchpartner, einen verlässlichen Leinenführer und entsprechend ausgebildete Rettungstaucher. Niemand taucht ohne Leinensicherung unter dem Eis!

Getaucht wird wie immer zu zweit, beide Taucher sind durch eine kurze Buddyleine fest miteinander verbunden. An einem der beiden Taucher (Gruppenführer) wird zusätzlich die Signalleine befestigt. Der Signalmann steht am Rande des Eisloches und hält über diese Signalleine den Kontakt zu den Tauchern. Leinensignale werden vorher vereinbart und sind allen Beteiligten bekannt. Ein weiterer erfahrener Taucher, der Rettungstaucher, hat sein Gerät schon komplett zusammengebaut und steht bereit. Im Falle des Notsignals an der Signalleine, ist er sofort zu den beiden Eistauchern unterwegs. Auch er ist selbstverständlich mit einer eigenen Signalleine ausgerüstet. Der Rettungstaucher kommt auch zum Einsatz, wenn sich der Knoten der Signalleine gelöst hat und ein oder beide Taucher nun ohne Sicherung im Wasser schwimmen. Das Eisloch auf eigene Faust wieder zu finden ist nahezu unmöglich. Beim Versuch kann sich sogar noch weiter vom Loch entfernen. Hier heißt es Ruhe bewahren und dicht unterm Eis an der Stelle warten, wo man den Kontakt zur Signalleine verloren hat. Die Leine des Rettungstauchers ist länger als die Signalleine der beiden Taucher. Er schwimmt damit im Kreis um das Eisloch herum fängt so die "Verlorenen" wieder ein.

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